Rezensionen

Reisebericht: Wir zwei in fremden Galaxien

Reiseziel: Ventura, in einer weit entfernten Galaxie


Die 17-jährige Seren lebt seit ihrer Geburt auf der Ventura und steht kurz vor der Abschlussfeier ihres Schuljahrgangs. An diesem Tag wird nicht nur entschieden, in welchem Bereich des Raumschiffs sie in Zukunft arbeiten soll, vor allem wird bekanntgegeben, wer aus dem aktuellen Jahrgang zu ihrem Lebenspartner ausgewählt wurde. Doch Seren hat ein Problem, denn sie hat sich verliebt. Mit dem spanischstämmigen Domingo, kurz Dom, erlebt sie echte Gefühle, das Herzklopfen der ersten Liebe. Doch beide wissen, dass sie damit gegen alle Regeln verstoßen und nur heimlich zusammen sein können. Als sich für das junge Paar eine Möglichkeit ergibt, das Raumschiff zu verlassen, muss Seren sich entscheiden. Will sie die sicheren Räume der Ventura verlassen, ohne zu wissen, ob sie außerhalb überleben können? Aber was ist die Alternative?


Autorin: Kate Ling
Übersetzerin: Anja Hackländer
Preis: 17,00 € (Hardcover) || 12,99 € (eBook)
Seiten: 332
Reihe: Band 1 der Ventura-Saga
Verlag: one (Bastei Lübbe)


Eindrücke & Momente

Ich habe mich wirklich sehr auf dieses Buch gefreut, weil es ein Thema anspricht, das mich zurzeit sehr interessiert: Die Menschheit verlässt ihren Planeten, um das Universum zu erkunden oder weil sie eben nicht mehr auf der Erde leben kann. In Wir zwei in fremden Galaxien haben sich 888 Menschen auf die Reise gemacht, da sie einem Signal folgen, welches allerdings so weit entfernt ist, dass die Ventura nur über mehrere Generationen an ihr Ziel gelangt. Das klingt doch ziemlich gut, oder?

Das dachte ich auch ca. die ersten dreißig Seiten. Obwohl Seren niemals zu meinen Lieblingscharakteren gehören wird, fand ich es dennoch erfrischend, dass sie die Ventura und ihre Regeln hinterfragt. Sie möchte unbedingt aus diesen gesellschaftlichen Zwängen ausbrechen und macht sich dafür auch stark. Doch dann passiert es leider: Sie verliebt sich und vergisst darüber alles, was sie eigentlich wollte. Domingo – Serens Herzblatt – ist leider auch nicht sehr sympathisch und war für mich sogar ziemlich blass, obwohl er einen großen Teil des Buches ausmacht.

Ich habe schon an einigen Büchern kritisiert, dass mir die Liebe in ihnen einfach zu schnell ging, aber ich habe es noch nie so schnell erlebt wie in Wir zwei in fremden Galaxien. Seren und Domingo haben sich ja kaum angeschaut und waren dann schon verliebt in einander! Das empfand ich als so unrealistisch, dass ich Serens ständiges Geschmachte für Domingo nicht ernst nehmen konnte. Er ist der einzige Mensch, der sie wirklich kennt? Nach einer halben Stunde?

Noch schlimmer war allerdings Serens dramatische Art. Immer wenn ihr klar wurde, dass sie Domingo wegen der Regeln der Ventura nicht haben kann, rutschte sie dramatisch an Türen hinab, hasste alles und jeden, wollte weglaufen oder fliehen (aber wohin?!) etc. Es war wirklich zum Augenrollen. Seren ist extrem egoistisch, denkt nur an sich und ihre verbotene Liebe und würde nie etwas für andere tun. Allerdings verlangt sie von anderen, alles für sie aufs Spiel zu setzen – sogar ihr Leben. Tun diese Menschen es nicht, will sie nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Kindergarten?

Ich hätte wirklich viel lieber etwas über das Leben auf der Ventura gelesen abseits von dieser Regel, dass man einen vorbestimmten Partner bekommt, denn durch die wenigen Informationen, die ich bekommen habe, erscheint mir die Idee der Ventura doch eher unlogisch und einige Aspekte sehr an den Haaren herbeigezogen. Die Ventura wird zum Beispiel ca. 700 Jahre unterwegs sein und ist zum Zeitpunkt der Geschichte schon ca. 50 Jahre unterwegs. Dennoch leben die Menschen dort im Überfluss, trinken Alkohol (Den sie wo her haben?), essen in Restaurants (obwohl alles aus Fischproteinen und Ei hergestellt wird) und haben auch noch so viel Wasser, dass sie darin plantschen können. Selbst wenn Wasser immer gefiltert wird, wird es niemals 700 Jahre reichen. Von der Technik und der Haltung der Fische und Hühner möchte ich gar nicht erst anfangen.

Neben der Liebesgeschichte zwischen Seren und Domingo passiert bis zum Ende leider nicht viel. Es war für mich sehr vorhersehbar und nur das Ende konnte mir wenigstens ein bisschen Lust auf den zweiten Teil machen.

KURZ GESAGT


Ich habe mir viel erhofft von dieser Geschichte, weil ich zurzeit große Lust auf Raumschiffgeschichten habe. Allerdings habe ich nur eine schlechte 0-8-15-Liebegeschichte bekommen, die genauso auch auf der Erde hätte passieren können. Es wurde vieles viel zu sehr dramatisiert, die Handlung war vorhersehbar und das Leben auf dem Raumschiff und die dortigen Abläufe sind doch eher unlogisch und undurchdacht. Ob ich den zweiten Teil der Reihe lesen werde ist noch unklar. Das Ende des ersten Teils hat mir ganz gut gefallen, weshalb ich gespannt bin, was der zweite Teil im Klappentext verspricht.


Obwohl Raumschiffe und fremde Galaxien sehr spannend sind, kann ich euch keine Reiseempfehlung für die Ventura geben.

Weitere Reiseberichte:
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Tintenblüte
Büchersüchtiges Herz³

3 Kommentare zu “Reisebericht: Wir zwei in fremden Galaxien”

  1. Schade, dass es dir nicht gefallen hat.
    Für mich klingt deine Kritik aber sehr angemessen, nicht zu frech (alles schon erlebt) und vor allem argumentativ belegt.
    Ich werde das Buch somit nicht lesen.
    Diese schnelle Liebesgeschichte quasi aus dem Nichts erinnert mich an die in Echo Boy von Matt Haig.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    1. Hi Nicci 🙂

      Ich finde es auch richtig schade, weil ich mich extrem auf dieses Buch gefreut habe…Aber man muss ja ehrlich sein. 🙂
      Danke! Ein bisschen Sarkasmus finde ich okay, aber wenn es beleidigend wird oder die Kritik unter die Gürtellinie geht, bin ich auch raus. Das geht einfach gar nicht.

      Oh nein, das Buch wollte ich auch noch lesen, weil ich Matt Haig sehr gerne mag. Das werde ich mir nun doch zweimal überlegen.

      Liebste Grüße
      Ellen

  2. Hallo du!
    Danke für diese ehrliche Rezension. Ich habe mir schon länger überlegt das Buch zu kaufen, werde es nun aber eher nicht tun. Die Punkte, die du in der Rezi ansprichst, schrecken mich ziemlich ab.

    Übrigens hast du einen wunderschönen Blog, dem ich in Zukunft sehr sehr gerne folge.

    Liebe Grüße
    Antonia

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