Rezensionen

Reisebericht: Smoke

Reiseziel: u. a. London


Wie sähe eine Welt aus, in der jede Sünde, jeder dunkle Gedanke sichtbar wäre? Smoke entführt den Leser in ein England vor hundert Jahren, in dem jede Verfehlung mit Rauch bestraft wird, der dem Körper entweicht. Auch Thomas und Charlie, Schüler eines Elite-Internats, werden immer wieder durch Rauch-Attacken gebrandmarkt, wenn sie den strengen Schulregeln nicht genügen. Doch dann finden sie – fast zufällig – heraus, dass die Gesetze des Rauchs längst nicht für alle gelten. Wieso gibt es böse Menschen, die nicht von Ruß befleckt sind? Und Smoke von Dan Vyletawelche Rolle spielt der Rauch bei den sozialen und politischen Umbrüchen ihrer Zeit? Auf der Suche nach der Wahrheit begeben sich die Freunde auf eine dramatische Reise voller riskanter Abenteuer und düsterer Intrigen und rufen damit schon bald mächtige Feinde auf den Plan …


Autor: Dan Vyleta || Übersetzerin: Katrin Segerer
Preis: 16,99 € (Paperback) || 9,99 € (eBook)
Seiten: 624
Verlag: carl’sbooks (Verlagsgruppe Random House)

Smoke wurde mir von carl’sbooks als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.


Eindrücke & Momente

Smoke ist ein wunderbares Beispiel dafür, was Worte in einem auslösen können, denn Dan Vyleta wurde nur durch ein einziges Zitat von Charles Dickens inspiriert. Aus 73 Worten, die Dickens im Jahre 1848 geschrieben hat, wurden 2017 624 Seiten voller Abenteuer, Liebe und Rauch. Worte sind eben Magie.

Auch im Buch geht es magisch zu, könnte man denken, denn jede Sünde und jeder üble Gedanke wird zu sichtbarem Rauch, der dem Sünder aus dem Körper entweicht. Wie lebt man in so einer Gesellschaft und in so einer Welt? Diese Frage hat mich ab der ersten Seite sehr interessiert und so schnell konnte ich das Buch dann auch nicht mehr aus der Hand legen. Der Anfang ist spannend gestaltet und entführt den Leser sofort ins Geschehen.

Die Geschichte fokussiert sich dabei auf Thomas, Charlie und Livia, die erst später in die Handlung einsteigt. Die Passagen über die drei sind immer in der dritten Person geschrieben. Allerdings wird die Geschichte immer wieder auch von anderen handelnden Personen erzählt, die manchmal nur einen einzigen Auftritt haben, allerdings fand ich diese aus der Ich-Perspektive geschriebenen Textstellen sehr interessant. Eigentlich sind dies Dinge, die eher neben der eigentlichen Handlung geschehen und die man als Leser nicht mitbekommt. Durch diese vielen Erzähler und Handlungsstränge fühlte ich mich als Leser noch näher dabei, auch wenn es manchmal zu viel Information war.

‚Zu viel Information‘ ist  dann auch das nächste Stichwort, denn obwohl der Schreibstil des Autors großartig ist und er sehr gut zur Epoche und Geschichte passt, hat er dennoch sehr ausladend erzählt, was teilweise zu langatmig war. Alles wurde genau beschrieben und dann noch mehrmals mit Metaphern umschrieben, um dann nach fünf weiteren Sätzen endlich auf den Punkt zu kommen. Es las sich dadurch zwar sehr schön, aber es zog die Handlung unnötig in die Länge.

Die Handlung plätscherte nach ihrer anfänglichen Spannung für mich nur noch dahin und ich hatte das Gefühl, dass die Protagonisten selbst gar nicht wissen, was sie eigentlich vorhaben. Die Entwicklung der Geschichte kam mir an manchen Stellen einfach zu zufällig vor. Doch was mich am meisten gestört hat, war die Entwicklung der Charaktere. Nach meinem Empfinden drehen diese nämlich alle durch, umso mehr die Geschichte sich dem Ende nähert. Meine Geduld in dieser Hinsicht war dann aufgebraucht, als der Kerl, der für mich der perfekte Bösewicht gewesen wäre, anfängt den Schimmel an der Wand zu lecken, um jemanden aufzuspüren. Allgemein wurden die Beschreibungen des Autors immer konfuser, verwirrter und zogen sich über Seiten als zusammenhangloser Brei hin.

Ein weiterer persönlicher Kritikpunkt, den viele wohl nicht als so wichtig erachten werden, ist die Gewalt an Tieren, die mir noch in keinem Buch so extrem aufgefallen ist. Es werden Pferde erschossen, Hunden die Beine gebrochen, Hühnern werden aus Hunger lebendig die Beine ausgerissen. Tut mir leid, aber in dieser Hinsicht bin ich sehr empfindlich, daher geht das für mich gar nicht. Selbst wenn es in die Zeit passt, es hat teilweise einfach nicht in die Geschichte gepasst und muss daher auch nicht beschrieben werden.

Allgemein hatte ich mir einfach mehr erhofft von dieser Geschichte, da ich die Idee so interessant finde. Ich habe mir Intrigen erhofft, Adelshäuser, die alles geben, um nicht zu rauchen, ein London, dass gegen den Ruß und den Rauch kämpft. Bekommen habe ich zwar eine spannende, aber doch ziemlich langatmige Geschichte, deren Protagonisten irgendwann durchdrehen.


Obwohl es in Smoke u. a. nach London geht, das immer eine Reise wert ist, kann ich nur eine durchschnittliche Reiseempfehlung geben.

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 Smoke
Der Klappentext und das Cover sind Eigentum des Verlags carl’sbooks.

6 Kommentare zu “Reisebericht: Smoke”

  1. Das mit der Gewalt an Tieren, hatte ich schon in einer anderen Rezension gelesen. Deswegen kommt es für mich auch eher nicht in Frage. Bin da auch sehr empfindlich und habe auch schon oft Filme deswegen abgebrochen.

    1. Für mich ging das auch überhaupt nicht. Beim Lesen finde ich es schon schlimm, aber in Filmen komme ich gar nicht damit klar und muss auch oft abbrechen. Mein Freund hat für seine Bachelorarbeit viele Filme geschaut und in einem der Kriegsfilme wurden drei Pferde erschossen, obwohl es einfach nicht zur Handlung gepasst hat und nur im Hintergrund geschah. Ich bin total ausgetickt und habe ihn dazu gebracht, diesen Film auszumachen. Ich kann und will das einfach nicht sehen.

  2. Pingback: [Gelesen] Smoke
  3. Hey!
    Spannend, wie unterschiedlich die Empfindungen zu Büchern immer so sind. Vorhin bin ich gerade über eine Rezension gestolpert, die total positiv war und mir das Buch auf die Wunschliste katapultiert hat. Du bist ja doch etwas verhaltener und ich kann deine Kritikpunkte nachvollziehen. Vielleicht warte ich doch, bis es in der Onleihe erhältlich ist. So dringend muss ich es nicht lesen. Hm… verzwickt 😉
    Hab noch einen schönen Abend
    LG
    Yvonne

    1. Hallo Yvonne 🙂
      Oh ja! Das habe ich heute erst wieder gemerkt bei meiner neusten Rezension ‚Wir zwei in fremden Galaxien‘. Es kommt mir so vor, als wäre ich der einzige Mensch, dem es überhaupt nicht gefallen hat. 😀

      Ich würde das Buch auch ausleihen und erstmal reinschnuppern. Sollte es dir super gefallen, kannst du es dir immer noch kaufen. 🙂

      Liebste Grüße
      Ellen

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